Kommentar
Kommt der Neustart?
Die Brieftaubenzüchter zumindest in Deutschland sitzen in einem sinkenden Boot. Darüber wird seit Jahren diskutiert und geschrieben. Es gibt tausend Erklärungsversuche und mindestens genauso viele Pläne, diese Situation zu analysieren und den Trend in eine positive Richtung zu verändern.
Kommissionen wurden ins Leben gerufen, Meisterschaftsmodi laufend verändert und es wurde eine Menge Geld verbrannt. Nur verändert hat sich nichts Wesentliches.
Es wäre natürlich vermessen und ungerecht, die Schuld dafür alleine beim bisherigen Präsidium des Deutschen Brieftaubenverbandes zu suchen. Ein Vorstand ist immer nur so gut wie seine Mitglieder. Wir müssen uns also zuerst einmal alle an die eigene Nase fassen. Wie gehen wir mit unseren Tauben um? Wie steht es um unsere mitmenschlichen Beziehungen zu unseren Sportkameraden und Sportkameradinnen? Wie groß ist unser eigenes gesellschaftliches Engagement? Was können wir selbst leisten, um dem Brieftaubensport neue Impulse zu geben?
Trotzdem, ein Vorstand wird auch dazu gewählt, dass er nachhaltig die Situation der Mitglieder und des Sportes allgemein verbessert. Dies ist dem bisherigen Präsidium leider nicht gelungen. Doch die alten Präsidiumsmitglieder sind, aus welchem Grund auch immer, nicht mehr zur Neuwahl angetreten. Dies ist gut so! Nur so kann ein von verheerenden innerverbandlichen Reibereien verschonter Übergangsprozess eingeleitet werden.
Freitag, der 13. Ein Unglückstag? Vielleicht erweist sich dieser Tag ganz überraschend aber doch als Glückstag. Als Glückstag für den deutschen Brieftaubensport. Ein neues Präsidium wurde ganz unspektakulär gewählt. Die neuen Männer haben sich bisher zurückgehalten und sind, von Ausnahmen abgesehen, nicht durch Sturheit oder Eigennutz aufgefallen. Geben wir ihnen allen eine Chance. Es ist eh die wohl letzte Chance die wir haben. Auch wenn die Aufgabe, dem Brieftaubensport neue Impulse zu geben, scheinbar unlösbar scheint, gibt es Wege, das sinkende Boot Brieftaubensport noch zu retten.
Dabei darf es keine Denkverbote geben und alle Ebenen, vom Präsidenten bis hin zum einfachen Züchter der nur seine eigenen Tauben im Kopf hat, müssen mit in eine „Zukunftswerkstatt Brieftaubensport“ eingebunden werden. Es wird nicht leicht werden für das neue Präsidium, aber ein „Weiter so“ würde dazu führen, dass sich das gerade neu formierte Präsidium als Totengräber unseres Sportes erweisen würde. Auf der anderen Seite steht aber die Möglichkeit als „Retter“ des Brieftaubensportes in die Analen der deutschen Brieftaubengeschichte einzugehen.
Meine eindringliche Bitte an das neue Präsidium kann also nur lauten: „Sehr geehrte Herren, machen Sie etwas aus Ihrem Auftrag, kehren Sie alte eigennützige Seilschaften aus, gehen Sie neue Wege, denken Sie ganzheitlich und nachhaltig und sorgen in enger Zusammenarbeit mit Regional- und RV-Vorständen und dem einfachen Züchter für neue, zukunftsträchtige Verhältnisse in unserem Sport!
Michael Godau